Distrikt Westmark
#1
Name und Lage
Die Westmark bildet den mittleren Abschnitt der Insel Borealis und ist an dieser Stelle zugleich deren schmalster Teil. Der Distrikt erstreckt sich schlauchförmig von Norden nach Süden und verbindet die nördlichen und südlichen Inselräume Borealis’ miteinander.
Im Westen grenzt die Westmark direkt an den Ozean, im Osten an die östlichen Distrikte der Insel Borealis. Nach Norden schließt sich der Distrikt Borealis an, nach Süden der Distrikt Drasilia.

Topographie und Struktur
Die Westmark ist topographisch eng, steigend und fragmentiert.
Flache Küstenabschnitte sind selten und beschränken sich auf wenige Zonen, insbesondere im Südwesten sowie kleinräumig im Osten bei Kene. Der überwiegende Teil des Distrikts steigt von der Küste unmittelbar in Hügel- und Hanglagen an. Diese gehen stellenweise in dichten Dschungel über und lassen nur begrenzte zusammenhängende Siedlungsflächen zu.
Die lineare Form des Distrikts bestimmt die Verkehrsführung:
  • Autobahn 6 verläuft entlang der Westseite der Insel. Sie kommt aus dem Distrikt Borealis, führt an Rothen vorbei, durchquert in der Mitte Fenrizhold, knickt anschließend leicht nach Westen ab, passiert Boiza und setzt sich weiter nach Süden in den Distrikt Drasilia fort.
  • Autobahn 7 folgt der Ostküste der Westmark. Sie tritt aus dem nördlichen Distrikt Borealis ein, führt durch Valkirie, verläuft südsüdwestlich in einem Bogen über die nahezu halbinselartige Lage von Marandia, folgt weiter der Küste, passiert südlich Heke, schwenkt anschließend leicht nach Westen über Born und führt ebenfalls in den Distrikt Drasilia.
Zwischen beiden Achsen bestehen nur wenige Querbindungen; der Raum ist längs orientiert.

Bevölkerung
Gesamtbevölkerung Westmark: 5.068.372
  • Stadtbewohner: 1.835.320
  • Landbewohner: 3.233.053
Wichtige Städte und Orte:
  • Fenrizhold (707.626) – größter urbaner Kern, infrastruktureller Mittelpunkt
  • Marandia (365.492) – östlicher Küstenort mit vorgelagerter Halbinselstruktur und wichtiger Osthafen
  • Boiza (365.336) – westlicher Binnenort an der A6
  • Born (119.060) – südlicher Küstenort
  • Rothen (118.809) – nördlicher Übergangsort
  • Valkirie (88.289) – ostseitige Küstenstadt
  • Heke (70.709) – kleiner südöstlicher Küstenort
Die Bevölkerung verteilt sich bandförmig entlang der beiden Küstenachsen, mit Fenrizhold als einziger klar dominanter Stadt.

Wirtschaft
Die Westmark ist ein rohstoff- und standortgebundener Distrikt.
Dominierende Wirtschaftsformen:
  • Erzbergbau – dezentral, an mehreren Standorten im Landesinneren
  • Nutzung und Erschließung von Dschungelgebieten
  • leichte Industrie um und in Boiza, Fenrizhold und Marandia
  • Wartung, Verarbeitung und Transport entlang der Autobahnachsen
Großindustrielle Verdichtung findet kaum statt. Produktion ist überwiegend extraktiv oder vorverarbeitend und auf den Abtransport ausgerichtet.

Kultur und Lebensstil
Die Westmark ist eine abgeschiedene, stark traditionsorientierte Region. In vielen Gemeinden gilt lokales Recht neben dem staatlichen, nicht als offener Widerspruch, sondern als gewachsene Selbstverständlichkeit. Klanbindungen sind ausgeprägt, besonders im Osten, und prägen soziale Beziehungen ebenso wie alltägliche Entscheidungen. Die Bevölkerung gilt als wortkarg und hilfsbereit, zugleich aber reserviert gegenüber Fremden. Feste folgen weniger dem staatlichen Kalender als den Zyklen der Jahreszeiten, der Fischerei und des Bergbaus. Die Küche ist schlicht und deftig: viel Fisch, grobes Brot, eingelegtes Wurzelgemüse.
Der Lebensstil der Westmark ist zersplittert und lokal geprägt. Gemeinschaften orientieren sich eng an ihrer jeweiligen Küste oder an einer einzelnen Verkehrsachse. Der Raum dazwischen bleibt dünn besiedelt und funktional genutzt, ohne den Anspruch, verbunden oder erschlossen zu sein.
Die unmittelbare Nähe von Dschungel, Bergbau und Meer bestimmt den Alltag. Mobilität erfolgt entlang klar definierter Routen, nicht flächendeckend. Orte sind erreichbar, aber selten eng miteinander verflochten. Die Westmark wirkt dadurch weniger wie eine geschlossene Region als wie eine Folge nebeneinanderliegender Lebensräume, die sich berühren, ohne ineinander überzugehen.

Sicherheit und Kontrolle
Die Sicherheitsstruktur folgt der linearen Geografie des Distrikts:
  • Naudiz-Präsenz konzentriert sich auf Fenrizhold sowie die Autobahnen 6 und 7
  • A-Zonen an Bergbauanlagen, Häfen und Verkehrsknoten
  • B-Zonen in Städten und größeren Orten
  • C-Zonen dominieren dichte Dschungel- und Hanglagen
  • D-Zonen in unerschlossenen Übergangsregionen zwischen Ost und West
Abseits der Hauptachsen übernimmt das Gelände einen Teil der Kontrollfunktion.

Anmerkungen
Die Westmark ist kein Raum der Breite, sondern der Durchgängigkeit.
Sie hält Borealis zusammen, indem sie es verbindet, nicht indem sie es verdichtet.
Zwischen zwei Küsten eingezwängt, mit wenig Raum zur Ausdehnung, entsteht hier ein Distrikt, der von Bewegung lebt. Wer die Westmark verlässt, hat sie meist nur durchquert – aber ohne sie käme man nicht hindurch.
Titel: Marschall der Freien Irkanischen Republik, Befehlshaberin des 'Kommando Besondere Operationen', Leiterin der Kommandoabteilung Außenpolitik 3 (Harnar und Renzia)
"Die gegenwärtige Epoche ist eine Epoche der Souveränität. Die früher unterdrückten Völker sind als Herren der Welt aufgetreten und bringen die Geschichte nachhaltig voran." — Neujahrsansprache 2020

The Whisper in the Wires
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#2
Zwischen Marandia und Fenrizhold gibt es einen Streifen Land, der auf keiner Karte einen Namen trägt. Abseits der Bahnstrecke, jenseits der letzten Wartungsstraße, dort wo der Dschungel wieder anfängt, Besitz zu ergreifen.
Tagsüber wirkt alles leer. Nur Hügel, feuchter Boden, das Summen von Insekten. Nachts jedoch leuchtet der Wald.
Die Plantage liegt an einem Hang, verborgen unter Netzen aus Blattwerk und Tarnfolie. Keine großen Felder, keine klaren Reihen. Stattdessen Terrassen, in den Fels geschnitten, jede mit eigenen Lampen. Kaltes UV-Licht, violett schimmernd, gespeist von Generatoren, die in alten Schiffscontainern stehen. Die Pflanzen sind gezüchtet, modifiziert, widerstandsfähig gegen Hitze und Pilze. Der Samen kam einst aus einem Labor in Genepohl, über drei Zwischenhändler und einen gefälschten Frachtauftrag.
Die Händler nennen es „Outback“, halb ironisch, halb stolz. Kein Netz, kein IRK-Signal, nur Richtfunkantennen, die wie Narben aus den Baumkronen ragen. Kommunikation läuft über alte Terminals, mit selbstgeschriebenen Verschlüsselungen. Wer hier arbeitet, weiß, dass ein Fehler nicht verziehen wird – weder vom Staat noch von den eigenen Leuten.
Ein schmaler Pfad verbindet die Plantage mit einer improvisierten Landestelle. Keine Startbahn, nur festgewalzter Boden, markiert durch reflektierende Steine. Kleine Maschinen landen hier, nachts, ohne Transponder. Die Fracht verschwindet in isolierten Boxen und taucht zwei Tage später in Fenrizhold wieder auf – als Medikamente, als Chemikalien, als irgendetwas mit sauberem Etikett.
Manchmal fahren Konvois vorbei, weit entfernt auf der Autobahn. Das tiefe Dröhnen ist im Boden spürbar. Dann halten alle kurz inne. Licht wird gedimmt, Generatoren gedrosselt. Der Dschungel übernimmt wieder, schließt sich über Kabeln und Wegen. Kontrolle endet hier nicht abrupt – sie wird weich, ungenau, teuer.
Die Menschen bleiben trotzdem. Nicht aus Trotz, sondern weil der Rand immer Platz bietet. Zwischen Marandia und Fenrizhold ist genug Raum, um zu verschwinden. Und genug Neon, um zu glauben, dass man nicht ganz im Dunkeln arbeitet.
Eine Esche weiß ich, heißt Yggdrasil,
den hohen Baum mit heiligem Wasser besprengt;
von ihm fällt Tau in die Täler nieder,
immergrün steht er am Urdbrunnen.

Völuspá, Die Edda

Das Schicksal ist ein Netz, gewoben von Urd, Verdandi und Skuld – unausweichlich, unergründlich, und doch voller Möglichkeiten.
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