Wohnung Liw; Genepohl
#1
Die Straßen sind irgendwie trostlos und farblos, wie die Leute, die sie bewohnen. Farbkleckse bilden Tags von Halbstarken und Jugendlichen an den Wände der Häuser im Blok, überall dort, wo die Überwachung nicht gut funktioniert – in einer D-Zone eher die Regel als eine Ausnahme. Hier herrschen pro forma die Gesetze Ikaniens, allerdinsg hat der Blok und die Zone auch ihre ganz eigenen Gesetze. Wenn du dich nicht beweisen kannst, nun dann hast du wohl Pech gehabt.
Diverse Gerüche attackieren die Nase, wenn man die Gassen entlang geht und bei manchen möchte man gar nicht wissen, wo ihr Ursprung liegt.


Endlich kommst du an das Haus, das du gesucht hast. Es sieht genauso aus, wie alle anderen im Viertel – heruntergekommen. Die Eingangstür hängt schräg in den Angeln und im Flur riecht es nach Urin. Du bist dir sicher, wenn die Ecken dieses Flures sprechen könnten, würden sie Geschichten erzählen, die keiner wirklich hören will. Geschichten von gescheiterten Existenzen, von Drogen und Gewalt. Deine Stiefel kleben an der ein oder anderen Stelle unschön auf dem Boden und man denkt lieber nicht zu lange darüber nach in was genau man hier getreten ist.
Es dauert nicht lange und du stehst vor dem Eingang zu der Wohnung, die du gesucht hast – keine Nummer, kein Namensschild, wer hier her kommt weiß was er will und wo er es findet. Die wilden Graffiti aus dem Flur ziehen sich quer über das Metall der Tür, die aussieht als wäre sie schon mehrfach geknackt worden. So bietet sie auch wenig Widerstand, als du den Knauf ergreifst und langsam drehst. Leise quietschend öffnet sie sich in einen dunklen Flur, der sich vor dir eröffnet wie das Maul eines Tieres.


Im Inneren ist es warm um stickig, die Luft ist erfüllt von einem Geruch von Zerfall und vermoderndem organischen Material. Überall in der winzigen Wohnung stehen diverse Zimmerpflanzen, sie bedecken nahezu jede sich bietende Fläche und alle sind … tot. Da gibt es Pflanzen in allen Stadien des Verfalles und als du den Finger nach dem Blatt eines farnartigen Gewächses neben der Tür ausstreckst, zerbröselt es sofort mit einem leisen Knistern. Dieses Geräusch kann man sich allerdings nur vorstellen, denn durch die Zimmer dringt die ganze Zeit der tiefe Bass irgendeiner Death-Metal Band, die ihre Karriere schon durch zu viel Sex, Drugs and Rock´n´Roll frühzeitig beendete.


Die Wohnung scheint nur aus dem Flur und zwei winzigen Räumen zu bestehen. Einen davon kann man direkt von der Tür aus einsehen. Er ist in das grünlich-künstliche Licht diverser uralter Monitore getaucht und auf dem Boden sind Kabel einem Spinnennetz gleich verlegt. Vor den Monitoren sitzt eine groß gewachsene Frau, die Beine im Schneidersitz unter sich gefaltet. Sie scheint nichts und niemanden zu bemerken, was allerdings auch nicht verwunderlich ist, denn sie trägt riesige Kopfhörer und wippt rhythmisch mit dem Kopf zu der „Musik“ deren Bass durch die Wände dröhnt. Dabei fallen ihr immer wieder Strähnen ihres Kaugummi-pinken Haares ins Gesicht, die sie geistesabwesend weg pustet. Wie im Automatikmodus greift sie neben sich zu einer kleinen Gießkanne mit Hello Kitty Motiv und gießt ohne hinzuschauen eine der unglücklichen Pflanzen in ihrer Reichweite.


Aus dem Augenwinkel bemerkst du gerade noch rechtzeitig ein leichtes Glitzern auf dem Boden – fast wärst du in einen Stolperdraht gelaufen. Als du den Kopf wieder hebst, hat sich die junge Frau, - du würdest sie auf Mitte/Ende 20 schätzen, zu dir umgedreht und zielt mit einem altertümlich anmutenden Revolver auf dich. Du bist dir ziemlich sicher, dass es effektiver ist mit dem Ding nach jemanden zu werfen, als damit zu schießen, aber du beißt dir auf die Zunge und musterst die Person vor dir.
Sie funkelt dich aus grasgrünen Augen an, eine Augenbraue mit Cut abschätzend gehoben. Die leuchtend gefärbten Haare, die sie in Zöpfen trägt, sind auf den ersten Blick das auffälligste Merkmal an ihr und stehen in deutlichem Kontrast zu den zerrissenen schwarzen Jeans und dem Totenkopf-T-Shirt, welches sie trägt. Ihre Haut ist blass und fast weißlich. Die riesigen Kopfhörer, die sie nun entspannt abnimmt, verdeckten jedoch eines der auffälligsten Merkmale – ihren Ohren, die voll gepierct sind.


„Was willst du?“ Ihre Stimme schneidet durch den stickigen Raum.


„Ich habe einen Auftrag.“


„Natürlich hast du das...“
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Wohnung Liw; Genepohl - von Liw Halgadottr Swannlaug - Vor 6 Stunden
RE: Wohnung Liw; Genepohl - von MUTTER - Vor 1 Stunde

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